Praxis & Anwendung
KI im Handwerk: 5 Aufgaben, die KI heute schon zuverlässig übernimmt
Rafael Ferreira · 30. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
KI zieht keine Leitung ein und prüft keinen Fehlerstromschutzschalter. Das muss sie auch nicht. Im Handwerk geht viel Zeit nicht auf der Baustelle verloren, sondern daneben: beim Rapport am Abend, bei der Offerte am Sonntag, beim Anruf, den niemand abnimmt, weil alle auf der Leiter stehen.
Genau dort ist KI heute brauchbar. Ich komme selbst aus dem Handwerk und baue heute mit Midman AI KI-Lösungen für KMU in der Zentralschweiz und in Zürich. In diesem Artikel zeige ich fünf Aufgaben, die KI im Handwerksbetrieb heute zuverlässig übernimmt, wo die Grenzen liegen und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.
Was KI im Handwerk heute kann und was nicht
Aktuelle KI-Modelle sind gut darin, gesprochene Sprache in sauberen Text zu verwandeln, Handschrift zu lesen, Mails einzuordnen und Anliegen am Telefon aufzunehmen. Das sind genau die Arbeiten, die im Handwerksbetrieb nach Feierabend liegen bleiben.
Was KI nicht kann: fachlich entscheiden. Ob eine Installation den Normen entspricht, wie viel Material eine Baustelle braucht oder welcher Preis für einen Kunden stimmt, weiss der Fachmann. Gute Lösungen sind deshalb so gebaut, dass die KI vorbereitet und ein Mensch prüft, bevor etwas zum Kunden geht.
Und noch etwas: Keine der fünf Lösungen in diesem Artikel verlangt ein neues Programm. Gearbeitet wird mit dem, was schon da ist: WhatsApp, Word, Excel, Outlook.
1. Der Rapport: sprechen statt abends tippen
Der Arbeitsrapport ist die klassische Abendarbeit. Der Monteur kommt von der Baustelle und soll dann noch aufschreiben, was er gemacht hat, wie lange es gedauert hat und welches Material verbaut wurde. Oft passiert das erst am nächsten Tag aus dem Gedächtnis.
Mit dem Sprach-Rapport für Monteure spricht der Monteur unterwegs zwei Minuten per WhatsApp. Der fertige Regierapport liegt danach formatiert im System, mit Rechnungsposition.
Die gleiche Technik läuft bei der Elektrokontrollen Schweiz AG (EKS) für Kontrollberichte: Der Kontrolleur schickt Fotos und eine Sprachnotiz per WhatsApp, der fertige Word-Bericht kommt zurück. Die Berichte sind dort heute 50 % schneller fertig. Mehr dazu im Projekt bei der EKS.
Richtwert: CHF 4’000 bis 6’500 Setup, Personalisierung nach Aufwand.
2. Die Offerte: Vorarbeit mit KI, Prüfung vom Fachmann
Offerten schreiben viele Chefs am Abend oder am Wochenende. Jede Offerte kostet Zeit, und nicht jede wird zum Auftrag. Die Versuchung ist gross, das einfach einer KI zu überlassen.
Davon rate ich ab. Eine KI allein kennt weder Ihre Preise noch die Baustelle. Mengen und Positionen braucht jemand, der das Handwerk kennt.
Beim Offerten-Service für Elektroinstallateure übernimmt die KI die Vorarbeit, und jede Offerte wird fachlich geprüft, bevor sie zu Ihnen kommt. Sie bekommen die Offerte innert 24 Stunden zurück. Der Service läuft im Pilotbetrieb.
3. Das Telefon: kein verpasster Auftrag mehr
In kleinen Betrieben ohne Sekretariat klingelt das Telefon oft genau dann, wenn niemand abnehmen kann. Wer nicht durchkommt, ruft beim nächsten Betrieb an.
Die Telefon-KI nimmt ab, wenn gerade niemand kann, und nimmt das Anliegen auf. Auf Wunsch bucht sie auch Termine. Das lohnt sich vor allem für Betriebe mit Pikettdienst oder mit nur einer Handynummer.
Richtwert: CHF 2’500 Setup einmalig, danach ab CHF 150 pro Monat. Fixpreis, keine Abrechnung pro Anruf. Der Monatspreis hängt vom Anrufvolumen, von der Anzahl Nummern und Standorte und von den Zusatzfunktionen ab.
4. Der Posteingang: sortiert, bevor Sie ihn öffnen
Offertanfragen, Terminwünsche, Lieferantenrechnungen, Newsletter: Alles landet im selben Postfach und wird abends von Hand sortiert.
Der Posteingangs-Assistent ordnet jede Mail der richtigen Kategorie zu. Für Kundenanfragen und Termine liegt ein fertiger Antwortentwurf im richtigen Mail-Verlauf bereit. Sie prüfen und senden. Senden kann das System nicht, das ist bewusst so gebaut.
Bei der EKS läuft ein solcher Mail-Assistent in Microsoft 365.
Richtwert: CHF 2’500 bis 4’000 Setup, Betreuung CHF 150 bis 300 pro Monat.
5. Das Messprotokoll: Foto rein, Excel raus
Viele Betriebe füllen vor Ort Papier aus: Messprüfprotokolle, Checklisten, Abnahmeblätter. Im Büro tippt dann jemand alles in Excel oder Word ab, Zeile für Zeile.
Mit Foto → Protokoll wird das Blatt fotografiert und per WhatsApp geschickt. Zurück kommt das fertige Excel, jede Zeile 1:1, auch Handschrift. Was die KI nicht sicher lesen kann, bleibt leer und wird gemeldet, statt geraten.
Eine Elektrokontroll-Firma aus der Zentralschweiz nutzt das für Messprüfprotokolle mit 14 Spalten. Die Verarbeitung dauert im Schnitt 2 Minuten 14 Sekunden (zum Projekt).
Richtwert: CHF 2’000 bis 2’500 Setup, dazu die Personalisierung auf Ihre Vorlage.
Was die fünf Lösungen gemeinsam haben
- Kein neues Programm. Ihr Team arbeitet weiter mit WhatsApp, Word, Excel und Outlook.
- Ihre Vorlagen. Die KI wird auf Ihre Rapporte, Protokolle und Mails eingerichtet. Das ist der Teil, der im Setup Zeit braucht.
- Ein Mensch prüft. Die KI bereitet vor, Sie entscheiden.
- Klarer Datenort. Je nach Lösung laufen die Daten auf einem Schweizer Server, auf Ihrem eigenen Server oder auf einem EU-Server.
So fangen Sie an
- Eine Aufgabe wählen. Nehmen Sie die Arbeit, die jede Woche am meisten Zeit kostet und die niemand gern macht.
- Echte Beispiele bereitlegen. Drei alte Rapporte, ein ausgefülltes Protokoll oder eine Woche Posteingang. Daran sieht man schnell, ob es passt.
- Klein anfangen. Eine Lösung, ein Team, ein paar Wochen. Was sich bewährt, wird ausgebaut.
Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen: Im KI-Audit schauen wir uns in ein bis zwei Tagen Ihre Abläufe an. Am Ende steht ein klares Ergebnis mit Fahrplan und Umsetzungs-Offerte.
Alle Preise sind Richtwerte. Jedes Projekt bekommt eine individuelle Offerte.
Häufige Fragen
Brauche ich für KI eine neue Software?
Nein. Die Lösungen in diesem Artikel arbeiten mit WhatsApp, Word, Excel und Outlook. Ihr Team muss kein neues Programm lernen.
Was kostet KI im Handwerksbetrieb?
Die Richtwerte liegen je nach Lösung zwischen CHF 2'000 und 6'500 für das Setup. Laufende Kosten gibt es zum Beispiel bei der Telefon-KI ab CHF 150 pro Monat und beim Posteingangs-Assistenten mit CHF 150 bis 300 pro Monat. Jedes Projekt bekommt eine individuelle Offerte.
Was passiert, wenn die KI etwas falsch versteht?
Deshalb prüft ein Mensch, bevor etwas zum Kunden geht. Der Posteingangs-Assistent kann gar nicht selbst senden, und bei Foto → Protokoll bleiben unsichere Felder leer und werden gemeldet, statt geraten.
Wo liegen meine Daten?
Je nach Lösung auf einem Schweizer Server, auf Ihrem eigenen Server oder auf einem EU-Server. Das klären wir vor dem Start, und es steht in der Offerte.
Der nächste Schritt
Finden wir heraus, was KI in Ihrem Betrieb übernehmen kann.
Unverbindliche Erstberatung, vor Ort in der Zentralschweiz oder per Video. Sie erzählen uns, wie Sie arbeiten. Wir zeigen Ihnen, was möglich ist.